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Nov

05

Verschiedene Ansätze für die Produktkonfiguration

Produktkonfiguratoren bieten Unternehmen eine Möglichkeit Produktvarianten effektiv zu verwalten. Für PTC Creo Parametric (ehemals Pro/ENGINEER) verwenden wir PDS Creo Configurator, mehr dazu jedoch später.

Man hört oft, dass Produktkonfiguratoren eine Lösung für sehr unterschiedliche und manchmal sogar in Konflikt zueinanderstehenden Bedürfnissen sind. Auch wenn Konfiguratoren den Unternehmen die Möglichkeit bieten, Produktvarianten effektiv zu verwalten, sollte dies nicht mit Produktportfoliomanagement verwechselt werden.

Konfiguratoren werden verwendet, um eine spezifische Produktstruktur für eine einzelne Bestellung oder ein bestimmtes Angebot zu erstellen ohne gleichzeitig alle verschiedenen möglichen Produktvarianten erstellen und unterhalten zu müssen.

In vielen Fällen kann ein Produkt hunderttausende unterschiedlicher Varianten aufweisen aber nur ein Bruchteil der möglichen Varianten wird jemals verkauft oder angeboten. Selbstverständlich möchten Unternehmen kein Geld dafür ausgeben, Dokumentation für Strukturen, die niemals verkauft werden, zu erstellen und zu unterhalten.

Haben Sie einige wenige Produkte aber eine Million Produktvarianten?

Die unterschiedlichen Anforderungen an den Konfigurator und die entsprechenden Lösungen könnten grob in drei Kategorien eingeteilt werden.

  • Verkaufs- bzw. Vertriebskonfigurator (Sales Configurator), auch bekannt als Configure Price Quote (CPQ)
    • Der Fokus liegt auf der Erstellung der Angebotsdokumentation inkl. effizienter Preisgestaltung. Verkaufs- und Preisregeln unterscheiden sich oft wesentlich von den Regeln, welche für die Gestaltung der physischen Produktstruktur gelten.
  • Materiallistenkonfigurator (BOM Konfigurator)
    • Fokussiert auf die effiziente Erstellung der Materiallisten für das Engineering oder die Herstellung. Muss in der Lage sein eine vollständige Materialliste zu erstellen und sehr komplexe Konfigurationsregeln zu befolgen.
  • Entwurfsautomat (Design Automation)
    • Für komplexe, und meist einmalig vorkommende Produktlieferungen gibt es eine Anzahl von Entwurfsvariablen, die erstellt werden müssen. Entwurfsautomaten helfen bei der Automatisierung der Erstellung der Entwürfe. Automatisierung kann in vielen Fällen zur wesentlichen Reduzierung der Entwurfszeiten beitragen.

Unterschiedliche Ansätze für die Konfiguration - ATO – CTO - ETO

Wenn Sie Personen zugehört haben, die über verschiedene Konfigurationsansätze sprachen, haben Sie wahrscheinlich die Begriffe ATO (Assemble to Order), CTO (Configure to Order) oder ETO (Engineer to Order) vernommen. Deren Definition ist nicht immer 100% eindeutig und meine Zusammenfassung hier kann sich von anderen Erklärungen leicht unterscheiden.

Assemble to Order (ATO)

Dieser Konfigurationstyp ist vielleicht der am einfachsten zu verstehende. Hierbei wird eine einzigartige Produktkonfiguration geschaffen, indem vorhandene Produkte, Module oder Baugruppen kombiniert werden. Gewöhnlich werden die vorproduzierten Teile auf Lager gehalten und sie werden entsprechend des eingegangenen Auftrags gruppiert, der eine bestimmte Kombination vorschreibt. Nur Top-Level Objekte werden als eine neue Variante geschaffen, welche die Optionen zusammenfasst. Der Engineeringaufwand ist gering und außer der Stückliste wird keine auftragsspezifische Dokumentation benötigt.

Die übliche Vorgehensweise ist, eine so genannte Super-Stückliste (oder 150% BOM) zu erstellen, welche alle Produktoptionen in einer Struktur zusammenfasst. Die auftragsspezifische Struktur wird mit Hilfe einer Auswahllogik erstellt, mit welcher  Produktkombinationen ausgewählt oder gefiltert werden.

Configure to Order (CTO)

Der Unterschied zwischen „Configure to Order“ und “Assemble to Order” ist ein wenig unklar. Vereinfacht gesagt können mit dem „Configure to Order“ Prozess mehr auftragsspezifische Varianten als nur das Top-Level-Objekt erstellt werden. Die Top-Level-Produktstruktur kann untergeordnete Varianten haben, die durch die Kombination untergeordneter Produkte  geschaffen wurden. Auch hier wird keine auftragsspezifische Herstellungsdokumentation oder Produktvisualisierung benötigt, da beim Erstellen der Super-Stückliste die Kompatibilität aller Optionen durch das Engineering vorvalidiert wird.

Engineer to Order (ETO)

Einige sagen, „Engineer to Order“ sei überhaupt kein Konfigurationsprozess. Er wird für Lieferungen angewandt bei denen eine beträchtliche Anzahle neuer Objekte und manchmal auch neue Optionen erstellt werden müssen, um den Auftrag zu erfüllen. Doch kann hier viel Engineeringzeit eingespart werden, wenn die Produktarchitektur und die Designwerkzeuge die Konfiguration unterstützen.

Entwurfsautomaten können das Erstellen des zu liefernden Entwurfs automatisieren und hunderte von Entwurfsstunden per Lieferprojekt einsparen.

Most common way is to create so-called super-BOM (or 150% BOM) that collects all product options into one structure. The order specific structure is created using choice logic to select or filter the combination of options needed in specific order.

Wann sollte ein Konfigurator verwendet werden?

Der Einsatz bzw. die Verwendung eines Konfigurators ist eine Investition und benötigt meist mehr Zeit und Ressourcen als erwartet. Deshalb sollte ein Unternehmen vorher folgende Fragen beantworten:

  • Wie viele mögliche Produktvarianten würde es geben, wenn alle erstellt werden würden?
  • Welches ist der Produktionsansatz? ATO, CTO oder ETO?
  • Im Falle von ETO – wie viele Entwurfsstunden werden benötigt, um die Dokumentation für eine Variante zu erstellen?
  • Im Falle von ETO – welches Auftragsvolumen wird für jedes analysierte Produkt erwartet?
  • Ist es ein Wettbewerbsvorteil Produkte zu liefern, die Kundenanforderungen durch Konfiguration erfüllen?

Die Einführung eines Konfigurators in einen ETO Prozess erfordert üblicherweise, dass Produkte neu entworfen werden, um die Konfiguration zu unterstützen. Es sollte klar sein, dass es normalerweise nicht machbar ist, alle möglichen Varianten mit dem Konfigurator zu erstellen. 80-90% des angestrebten Produktionsvolumens des Konfigurators kann im Allgemeinen erwartet werden. Der Versuch, höhere Automatisierungsniveaus zu erreichen wird entweder zu strikte Produktstrukturen verursachen, welche nicht die benötige Flexibilität bieten, oder zu hohe Kosten generieren, welche wirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen sind.

Fazit

Zum Abschluss möchte ich noch einige technische Möglichkeiten erwähnen, die bei der Wahl der Konfigurationslösung bewertet werden sollten:

  • Welche Anforderungen stellen die einzelnen Bauteile? Können auf unterschiedliche Ausprägungen der Komponenten verschiedene Regeln anwendet werden, wenn sie einem Elternteil unterstellt sind.
  • Was ist der Lieferumfang des Konfigurationsprozesses? Normalerweise können Konfiguratoren 3D-Modelle einfacher erstellen als Fertigungszeichnungen u. ä.
  • Im Falle von CTO und ETO Produkten sollte der Entwurfsautomat auch in der Lage sein, Bauteile als Elternteil hinzuzufügen und nicht nur nicht benötigte Optionen zu entfernen. Idealerweise sollten das vollständige Modell und die Zeichnung von Grund auf erstellt werden können. Bei komplexen und großen Produkten ist es nicht machbar, eine Baugruppe mit allen möglichen Optionen zu erstellen.

Im folgenden Video zeigen wir Ihnen, wie Sie eine neue Variante direkt in Windchill in nur zwei Minuten erstellen.

 

Sie können auch mein  Creo Configurator über Creo Configurator auf Basis von Creo Parametric (auf Englisch) herunterladen.

Best Regards

Perttu

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