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Apr

17

Creo vs SOLIDWORKS – Runde 1

Ich bin als Senior Consultant für PDSVISION viel bei Kunden im Feld. Historisch bedingt sind viele unserer Bestandskunden Nutzer von PTC Creo Elements/Direct Modeling, früher auch bekannt unter CoCreate. Dieses CAD System ist ein Direkt-Modelierer der seit einigen Jahren unter dem Dach von PTC zuhause ist. Im Gespräch mit den Kunden kommt man natürlich auch oft auf andere CAD Systeme wie Pro/ENGINEER, SOLIDWORKS oder Autodesk Inventor zu sprechen. Oftmals erzählen mir meine Kunden dann alte „Schauermärchen“, wie z.B. ein parametrisches CAD kann doch gar nicht funktionieren oder, im Speziellen für Creo Parametric, das ist zu komplex und zu schwer zu bedienen. Der Klassiker ist aber: ein parametrisches CAD Programm würde bei unseren Produkten nicht funktionieren.

Jetzt stellt man sich natürlich die Frage, woher diese Geschichten und Meinungen kommen, speziell wenn es User eines nicht parametrischen CAD Systems sind? Meistens sind diese Standpunkte von sehr erfahrenen und altgedienten Konstrukteuren zu hören und das ist auch kein Zufall. Viele dieser Ingenieure sind in der Konstruktion dabei seit der 2D Ära der CAD Welt und kennen 3D CAD-Systeme eben auch noch aus dieser Anfangszeit der Branche. Diese Meinungen sind klar geprägt von der Rivalität zwischen Pro/ENGINEER (Pro/E) und SOLIDWORKS.

PTC Creo Parametric vs SOLIDWORKS - Geschichte

Schauen wir uns die ewigen Rivalen PTC Creo Parametric und SOLIDWORKS von Dassault in 3 Hauptpunkten genauer an.

PTC

Gegründet wurde PTC im Jahr 1985 von Dr. Samuel P. Geisberg. Er hatte damals die ersten Ideen für ein parametrische und Konstruktionselemente (Feature) basierte CAD Software. Creo Parametric gibt es seit 1987 und wurde in Detroit das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Damals noch unter Pro/ENGINEER bekannt und geboren in eine Welt wo die UNIX Workstations von SUN, Apollo und wie sie alle hießen, mit ihrer Rechenleistung, Grafikperformance und Speicherplatz, im Vergleich zu heute, absolut lächerlich waren.

So stand doch für PTC immer die Performance und die Tiefe der Funktionen im absoluten Mittelpunkt. Über die Zeit und in unzähligen Benchmarks hat Pro/E oder zwischenzeitlich auch mal Wildfire genannt, bewiesen wie gut die Funktion und die Geschwindigkeit des Programms ist. Nur partiell im Focus lag in dieser frühen Zeit die Usability und Nutzerfreundlichkeit von Pro/ENGINEER. Aus diesem Zeitraum von gut 20 Jahren stammt auch der legendäre Ruf das Pro/E sehr schwer zu benutzen und zu erlernen ist.

SOLIDWORKS

1993 ist das Entstehungsjahr von SOLIDWORKS als Firma. Ihr Gründer Jon Hirschtick wollte ein einfaches, Windows basiertes CAD entwickeln, das auch dazu noch günstig in der Anschaffung sein sollte. In den Anfangsjahren rekrutierte Hirschtick mehrere PTC Mitarbeiter was schlussendlich den Grundstein für die ewigen Rivalen Pro/E (Creo) vs. SOLIDWORKS legte. Der „ease of use“ ist heute immer noch der für das Dassault-Marketing Team definierende Faktor für SOLIDWORKS. Doch dieser Umstand hat einen Preis. Zum einen wurde die Usability damit erkauft, dass Funktionen nicht die Tiefe eines High-End Systems haben, und zum anderen gibt es bis heute Performance- und Stabilitätsprobleme, da von Anfang der Fokus auf der einfachen Bedienung lag und eben nicht auf Leistung, Robustheit und Performance, wie bei Pro/ENGINEER, heute Creo Parametric. Ich denke jeder SOLIDWORKS User weiß hier, was gemeint ist.

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, kann ich verstehen, wenn Sie sagen „Ok, der arbeitet ja auch bei einem PTC Partner“. Stimmt, aber bevor ich zu PDSVISION kam war ich etwa 10 Jahre in der Konstruktion tätig und davon habe ich 5 Jahre in mehreren Firmen mit SOLIDWORKS in verschieden Themenfeldern wie z.B. Kunststoff, Blech oder Drehteilen intensiv gearbeitet.

PTC Creo Parametric vs SOLIDWORKS - Heute

Nun aber stellt sich die Frage wo stehen wir denn heute und wie begegne ich meinen Kunden auf Ihre Fragen und den anfangs erwähnten „Schauermärchen“?

PTC’s Creo Parametric wird inzwischen in der Version 7 ausgeliefert. Seitdem Pro/E Wildfire im Jahr 2011 in Creo Parametric umbenannt wurde, hat PTC grundlegend an der kompletten Überarbeitung der Benutzeroberfläche und der Usability gearbeitet. Creo ist heute wirklich intuitiv zu bedienen, ohne dabei an Funktionalität einzubüßen. Wir haben eine sehr moderne Ribbon Oberfläche zur Verfügung, die stark der Philosophie von Microsoft Office folgt und sogar anderen lowend und midrange CAD Systemen wie Autodesk Inventor und SOLIDWORKS voraus ist. Auch die grafische Qualität ist auf höchstem Niveau. So unterstützt Creo Parametric nativ 4K Monitore und die Windows DPI-Skalierung. Buttons, Schrift und die 3D-Darstellung sind so scharf dargestellt das Rundungen sehr organisch wirken und die Zeiten mit Kreisen im “Treppchen Style” der Vergangenheiten angehören.

Das Ergebnis ist ein angenehmeres und entspannteres Arbeiten für die Augen und ein plastischeres Erlebnis beim Konstruieren. PTC hat auch viel Erfahrung und Technologie aus dem oben erwähnten Creo Elements/Direct Modelling in Creo Parametric integriert. So ist die „Mini-Toolbar“ und die direkte Modellierung aus jenem Programm übernommen worden. Beides sind großartige Funktionen die SOLIDWORKS bei weitem einfach nicht bieten kann. Alles in allem bekommen wir heute ein Creo Parametric, dass in Sachen Bedienung mit Pro/E kaum noch etwas zu tun hat und sich absolut auf Augenhöhe mit SOLIDWORKS befindet, wenn nicht sogar besser in einigen Bereichen.

Solidworks PTC Creo

PTC Creo Solidworks

Wie sieht also mit der Leistung von Creo Parametric heute aus?

Wie weiter oben bereits erwähnt wurde Pro/E von Beginn an auf Leistung hin entwickelt. Dies ist natürlich auch bis heute so. Creo Parametric 7.0 kann problemlos mit sehr großen Baugruppen umgehen, ohne dafür einen extra Viewer zu benötigen. Ich möchte Ihnen kurz ein Beispiel geben. Nehmen wir an wir haben eine Baugruppe mit 1000 individuellen Teilen von dieser gibt es auch eine Zeichnung. Nun verdoppeln wir die Anzahl auf 2000 Teile. Des Weiteren erzeugen wir nun 4 „Brücken“, sprich 8 individuelle Teile sind verbunden über Beziehungen. Von den 2000 Teilen ändern wir bei 24 die Abmaße. Das Ganze machen wir nun einmal in Creo Parametric und einmal in SOLIDWORKS. Rein vom Lesen her ist das keine große Sache, jedoch benötigt SOLIDWORKS ca. 30 Minuten nur um die Baugruppe zu speichern.

Creo benötigt für die gleiche Operation ca. 4 Minuten. Um die Zeichnung zu aktualisieren benötigt SOLIDWORKS ungefähr das 5,5fache an Zeit. Alles in allem ist Creo ungefähr 3,5-mal so schnell, wenn es um große Baugruppen geht, wie SOLIDWORKS. Wohl gemerkt auf derselben Hardware. Genau genommen ist dieser Vergleich aber nicht fair. SOLIDWORKS ist das Mid-Range CAD Produkt von Dassault und PTC Creo Parametric ist ein High-End CAD System. Früher war SOLIDWORKS auch etwa 80% günstiger als Creo. Doch auch das hat sich geändert. Die beiden Systeme kosten heute pro Jahr etwa das gleiche.

Multi CAD im Creo

Der letzte große Punkt, den ich in diesem Text ansprechen möchte, hat meiner Meinung nach in den letzten Jahren noch an Wichtigkeit zugenommen.

Ein signifikanter Teil meiner Zeit verbringe ich damit im PreSales, im Consulting und im Support unserer Kunden bei dem Thema Datenaustausch zwischen unterschiedlich CAD-Systemen zu unterstützen. Dateikompatibilität zwischen Lieferanten und Herstellern hat in der Vergangenheit leider viele Kaufentscheidungen beeinflusst. Native Dateiformate und speziell neutrale CAD-Formate wie STEP oder ACIS sind problematisch, wenn es um deren Austausch geht. Dies führte dazu, dass große Firmen und Konzerne oft effektiv von ihren Lieferanten forderten, Daten in „ihrem“ nativen Format zu liefern. Darüber hinaus mussten viele Zulieferer ein oder zwei Lizenzen von Catia, SOLIDWORKS oder Siemens NX kaufen, nur um sich mit, für sie, "fremden" Dateiformaten befassen zu können. Datenaustausch würde ich persönlich als die Problemquelle Nr. 1 in der heutigen, sehr vielfältigen CAD Welt charakterisieren. Unterstützt wird meine These auch von der großen Anzahl an CAD Konvertierungsprogrammen, die es so gibt. Googlen Sie dieses Thema doch einfach einmal.

UNITE Technology

PTC hat mit der Einführung der UNITE-Technologie das Leben in einer Multi-CAD-Umgebung deutlich vereinfacht. Schon seit 2014 und der Version Creo 3.0 können Datein aus den meisten gängigen CAD-Systemen wie Autodesk Inventor, CATIA, Siemens NX, SolidEdge und SOLIDWORKS direkt nativ geöffnet werden. Es ist nicht erforderlich, diese Dateien zu konvertieren oder zu übersetzen. Laden Sie Fremdformate einfach direkt in Ihre Baugruppe. Sie sehen sogar direkt an den Symbolen im Featurebaum welche Teil Ihrer Baugruppe aus einem anderen CAD System stammen. Selbstverständlich funktioniert dies auch in die andere Richtung. Sie können Ihre Creo-Modelle auch in native Fremdformate exportieren. Oftmals sind Dateien aber beschädigt. Dies ist häufig bei STEP Dateien der Fall. Creo Parametric unterstützt Sie auch hier mit großartigen Tools, um die Datei zu reparieren. Im generellen ist Creo Parametric aber sehr tolerant mit Fehlern in .stp files.

In den beiden Screenshots unten sehen Sie den Import und eine Baugruppe mit je einem SOLIDWORKS Einzelteil und einem Siemens NX Einzelteil.

creo Solidworkssolidworks

SOLIDWORKS hat hier ebenfalls vor kurzem nachgezogen und stellt vergleichbare Funktionen mit SOLIDWORKS 3D Interconnect zur Verfügung.

Als ehemaliger SOLIDWORKS Keyuser sehe ich heute PTC Creo Parametric, speziell in der brandneuen Version 7.0 klar als das bessere Produkt an. SOLIDWORKS ist evtl. punktuell bei einigen wenigen Funktionalitäten im Vorteil, wenn es um die reine Benutzeroberfläche geht. Es gibt aber noch viele andere Themenkomplexe, wie z.B. Blech, Augmented Reality oder Mechaniksimulation wo Creo klar die Nase vorn hat und über die ich hier hätte ebenfalls schreiben können.

Mein Artikel ist aber schon lang genug; deswegen dazu zu einem späteren Zeitpunkt sicher mehr.

Sollten meine Zeilen Ihr Interesse geweckt haben würden ich mich freuen Ihnen Creo Parametric auch einmal live zu zeigen. Kontaktieren Sie einfach einen meiner Kollegen des Vertriebes.

Frohes Schaffen,
Hans-Joachim Estler

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